Pforzheim – Die Mischung macht’s 2023 #1

Pforzheim - Die Mischung macht's 2023 #1

Warvan Abboosh (Irak) und Fatima Hasso (Syrien) kamen beide im Jahr 2015 als Geflüchtete nach Deutschland und Pforzheim.

Movie Artwork

Warvan Abbosh (23) kam im Alter von 15 Jahren auf dem Landweg aus dem Irak nach Deutschland auf der Flucht vor den Massakern des Islamischen Staats an den Yesiden. Nach seinem Schulabschluss an der Carlo Schmidt Schule machte er eine Ausbildung zum  Einzelhandelskaufmann. Fatima Hasso (21) flüchtete mit Ihrer Familie vor dem Krieg über das Meer und besuchte das Reuchlin Gymnasium. Nach ihrem Abitur veröffentlichte sie ein Buch mit ihrer Geschichte und studiert in Stuttgart.

Rückblick auf den Filmabend:

Warvan Abboosh (Irak) und Fatima Hasso (Syrien) stehen im Mittelpunkt des ersten Films der neuen Staffel von „Die Mischung macht’s“, der am 24. September 2023 im Kommunalen Kino (KoKi) präsentiert wurde.

Seit 2015 in Pforzheim

Warvan, 23 Jahre alt, kam 2015 mit 15 Jahren auf dem Landweg aus dem Irak nach Deutschland auf der Flucht vor den Massakern des Islamischen Staats an den Yesiden. Geflüchtet ist er ohne seine Eltern, die er seither nicht wiedergesehen hat. Nach seinem Schulabschluss an der Carlo Schmid Schule machte er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Aktuell bildet er sich weiter mit dem Ziel, eines Tages selbst einen Edeka-Supermarkt zu leiten.
Fatima, ebenfalls 23 Jahre alt, flüchtete 2015 mit ihrer Familie vor dem Krieg in Syrien über das Meer. In wenigen Monaten erlernte sie die deutsche Sprache und besuchte dann das Reuchlin-Gymnasium. Nach ihrem Abitur veröffentlichte sie ein Buch über ihre Lebensgeschichte und studiert seither in Stuttgart. Das Trainieren für den Halb-Marathon hat ihr geholfen, Disziplin und Geduld zu üben und sich immer vor Augen zu halten, dass es nur wesentlich sei, dass man ankomme – und nicht wann.

Die Hürden der Bürokratie
Im Podiumsgespräch nach der Filmpremiere vertieften Warvan und Fatima die Themen des Films gemeinsam mit Liane Bley, Regionalleiterin des Internationalen Bundes und Mitglied des Internationalen Beirats der Stadt Pforzheim, Christine Müh, Leiterin des KoKi sowie Mirzeta Haug, die das Projekt leitet. Aus ihrer Arbeit heraus bestätigte Liane Bley, dass die Sprache auf dem Weg zur Integration sehr wichtig sei, außerdem eine Unterstützung auf Augenhöhe, in partnerschaftlicher Form. Dazu gehöre auch die formelle Anerkennung der eigenen Integrationsbemühungen, betonten Fatima und Warvan. Auf Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen warte man unfassbar lange. „Mein Vater wollte seine Schneiderei gleich nach unserer Ankunft in Pforzheim eröffnen. Er durfte es erst im vergangenen Jahr“, erzählt Fatima. Über zu viel Bürokratie und lange Wartezeiten ärgert sich auch Warvan, der trotz erfolgreich abgeschlossener Ausbildung noch immer keine Aufenthaltserlaubnis hat.

Drei Fragen an …
Neu seit dieser Staffel sind Fragen der Protagonist:innen, die sie per Video an Verantwortliche in der Stadt stellen. An diesem ersten Abend war es ausschließlich der FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Rülke, der per Video geantwortet hatte – darunter auf die Frage von Fatima: „Sind wir Geflüchteten eine Last oder eine Bereicherung für die Stadt?“. Seine Antwort – dass beides der Wahrheit entspreche, je nachdem, ob die Geflüchteten in den dauerhaft in den Sozialsystem verbleiben oder nicht – greift für Fatima zu kurz. „Wer nicht arbeitet, hat vielleicht gute Gründe“, gibt sie zu bedenken. Ausbildungen, die hier nicht anerkannt werden, fehlende Papiere, ohne die man in Deutschland keine Arbeit aufnehmen darf, und eben auch Genehmigungen, die seitens der Stadt sehr spät erteilt werden, seien solche Gründe, führt sie aus.
Produziert haben diesen ersten Film der neuen Staffel Sebastian Seibel und Ana Kugli von der Medienagentur ton-bild-schau (www.ton-bild-schau.de) aus Pforzheim. Pate dieser Veranstaltung war der Internationale Beirat der Stadt Pforzheim.

DE 2023 | Regie: Sebastian Seibel, Ana Kugli | ab 14 Jahren | 20 Minuten