Foxtrot

Drama über vier israelische Grenzsoldaten, die in einer absurd-zermürbenden Situation im Niemandsland feststecken.

Do 06.09. - Fr 21.09.
Movie Artwork

Für den Architekten Michael (Lior Ashkenazi) und seine Frau Dafna (Sarah Adler) bricht eine Welt zusammen, als eines Tages Offiziere vor der Tür ihres Hauses in Tel Aviv stehen und ihnen mitteilen, dass ihr 19-jähriger Sohn Jonathan (Yonaton Shiray), der gerade seinen Militärdienst leistet, gefallen sei. Während Dafna wie gelähmt ist, steigern sich Michaels anfängliche Trauer und Verständnislosigkeit langsam zu rasender Wut. Als dann auch noch ein Bestattungsoffizier auftaucht, um mit den trauernden Eltern die bürokratischen Details der Beerdigung zu klären, verschlimmert das die Situation weiter. Aber dann nimmt das Schicksal von Michael und Dafna plötzlich eine unvorhergesehene Wendung: Jonathan ist doch noch am Leben, es handelte sich bei der Todesmeldung um eine Verwechslung, einen Fehler im System. Michael fordert, dass sein Sohn sofort zurück nach Hause kommt…

In seinem ersten Film,“ Lebanon“, beschrieb Samuel Maoz auf sehr persönliche Weise die Erlebnisse von vier jungen israelischen Soldaten im Libanonkrieg 1982. Seine Innenansichten aus einem Panzer wurden in Venedig mit dem Goldenen Löwen belohnt. Acht Jahre mussten verstreichen, bis Maoz sich zurückmeldete – und noch einmal fast ein Jahr, bis sein zweiter Film, „Foxtrot“, nach seiner Deutschlandpremiere beim Filmfest München, in die deutschen Kinos kommt. Der Start ist überfällig, nicht nur weil es sich um den Gewinner des Großen Preises der Jury in Venedig handelt, sondern weil man diese großartige und großartig menschliche Anklage gegen eine längst zum Alltag gewordene Kultur des Militarismus nicht mehr länger dem Publikum vorenthalten darf. So prägnant und ergreifend erzählt Maoz seine zweiteilige,sich zwingend einmal um sich selbst drehende Geschichte über Trauer, Wut und die Absurdität der Existenz, ein „Warten auf Godot“ in Gestalt von „Wege des Ruhms“, dass sich sogar die israelische Kulturministerin gezwungen sah, sich zu Wort zu melden: „Es ist ungeheuerlich, dass israelische Künstler die junge Generation dazu anstiften, Lügen gegen die moralischste Armee der Welt mithilfe der Kunst zu verbreiten.“ Womit sie freilich nur Maoz‘ Argumentation bestätigt – und zeigt, dass sie sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, diesen mit der zwingenden Logik eines Escher-Gemäldes konzipierten Film zu verstehen, ein Werk in der Tradition absurder Antikriegsfilme von „Marx Brothers im Krieg“ über „Der große Diktator“ und „Wie ich den Krieg gewann“ bis „M.A.S.H“ und „Catch-22“.

»In der Form eine griechische Tragödie, im Ton ein Drama und auch beißende Satire, im Kern eine deutliche, schonungslose Kritik an seiner israelischen Heimat […]. All das ist Samuel Moaz „Foxtrot“, ein streng inszenierter, komplexer, intelligenter, vielschichtiger Film.« (programmkino.de)

Foxtrot | IL/DE/FR 2017 | Regie: Samuel Maoz | Mit: Lior Louie Ashkenazi, Sarah Adler, Yonaton Shiray | ab 12 Jahren | 113 Minuten
Vorstellungen
Do, 06.09.
21:00
Sa, 08.09.
17:00
Mo, 10.09.
18:00
Fr, 21.09.
17:00