Sein oder Nichtsein

"Was der mit Shakespeare gemacht hat", sagt Gruppenführer und Gestapochef Ehrhardt über Joseph Tura, "das machen wir heute mit Polen."

Fr 22.09.
(DF)
Movie Artwork

Hier stellt sich bereits die noch/wieder/immer aktuelle Frage (Charlie Hebdo, Jan Böhmermann, et.al.): „Was darf die Satire?“ Kurt Tucholsky hat 1919 neben der Frage auch die Antwort gleich mit gegeben „Alles“). In Deutschland wurde der Film bezeichnender Weise erst 1960 herausgebracht! Mit seiner Komödie um Sein und Schein, was als Thema schon in den ersten Szenen des Films auftaucht, wirft Ernst Lubitsch einen satirischen Blick aus dem amerikanischen Exil auf seine Heimat Deutschland unter der NS-Diktatur. Der Nationalsozialismus also als lächerliche Inszenierung mit tödlichem Potential? 1941 gedreht, mit Bezug zum Einmarsch der deutschen Truppen in Warschau im Herbst 1939, 1942 die „Wannsee-Konferenz“ mit der Planung der „Endlösung“ parallel zum Filmstart in den USA: In Warschau probt das Theater eine Hitler-Parodie, aber der Einmarsch der deutschen Truppen verhindert die Aufführung; an seiner Statt kommt wieder „Hamlet” auf den Spielplan, aus dessen Monolog-Zitat auch der Titel des Filmes stammt, der hier aber auch das Zeichen für das Rendezvous zweier Liebender ist. Doch die Wirklichkeit überholt das Theater, und bald müssen die Schauspieler wirkliche Nazis spielen – hier wird eigentlich der Polit- oder Agenten-Thriller erfunden – als bissig-böse Antinazi-Satire, was zu viel Diskussion über den Film beitrug. Denn Lubitschs Nazis sind nicht die üblichen bellenden Knallchargen, sondern das Böse ist hinter der Maske des Normalen ver-borgen, die Brutalität hinter dem Verwaltungsakt. Und doch schlägt Lubitsch die Nazis mit ihren eigenen Inszenierungswaffen, die er hinter alle dem Pomp und den Ritualen als Hilfe für das kleine menschliche Ego sieht.

TO BE OR NOT TO BE | US 1942 | Regie: Ernst Lubitsch | Mit: Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, u.a. | ab 12 Jahren | DF | 93 Minuten