Pforzheim – Die Mischung macht’s #6

Im sechsten Doppelporträt werden der Iraner Aryo Gharabatti und der Syrer Mohamad Najjar vorgestellt.

Sa 21.10.
Movie Artwork

Aryo Gharabatti
Ohne Übertreibung kann man das Leben von Aryo Gharabatti als bewegt bezeichnen. 1990 flieht er mit seinen Eltern aus dem Iran und kommt nach Deutschland. Doch die Reise geht weiter, zunächst nach England, später nach Amerika. Mit 17 Jahren entscheidet sich Aryo Gharabatti zurückzukehren. In Pforzheim baut er sich eine Exis- tenz auf. Er absolviert eine Ausbildung zum Systemgastronomen. Er hat nette Kollegen, engagiert sich ehrenamtlich beim Stadtjugendring und lernt seine Freundin kennen.
Mohamad Najjar
Im Herbst 2015 erreicht Mohamad Najjar Pforzheim. Eine Reise per Bus und Bahn vom Libanon über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn liegt hinter ihm. Aus seiner Heimatstadt Aleppo – „dort war es gefährlich“ – ist der 22-Jährige mit seinem Freund und dessen Familie geflohen. Sie leben heute in Schweden. Mohamad Najjar ist in Pforzheim geblieben und hat sich gut eingelebt. Er arbeitet bei Kaiser Metalle, ist als Asylbewerber anerkannt und kann inzwischen sogar kochen.

 

Wie die Flüsse sollten sich auch die Menschen verbinden

„Auf dem Weg“ – das Filmporträt über Aryo Gharabatti und Mohamad Najjar beim sechsten Filmabend von „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht’s“ im Kommunalen Kino

„Ich habe durch das Filmen zwei ganz tolle Menschen kennen gelernt“, sagt Timo Dannenhauer, der den sechsten Film des interkulturellen Filmprojekts „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht‘s“ produziert hat. Im Fokus seines filmischen Porträts, das den Titel „Auf dem Weg“ trägt, stehen zwei Männer an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben. Aryo Gharabatti (32 Jahre), gebürtiger Iraner, lebt seit fünf Jahren in Pforzheim und hat hier eine Ausbildung zum Systemgastronomen abgeschlossen. Mohamad Najjar(22 Jahre alt), gebürtiger Syrer, ist seit 2015 in Pforzheim, spricht inzwischen sehr gut Deutsch und arbeitet bei Kaiser Metalle. Beiden ist gemeinsam, dass sie aus ihrer Heimat fliehen mussten. Was ihnen seither wiederfahren ist, davon haben die BesucherInnen im ausverkauften Kommunalen Kino „in einem sehr gelungenen Film mit vielen leisen Tönen“ (Projektleiterin Mirzeta Haug) erfahren.

Es ist das, was man ein schweres Schicksal nennt, das Aryo Gharabatti hinter sich hat, seit er 1990 mit seinen Eltern aus dem Iran geflohen ist. Als Fünfjähriger kommt er zunächst nach Heidelberg, später nach Mannheim. Die Mutter findet sich im fremden Land ganz gut zurecht, der Vater leidet darunter, dass seine beruflichen Qualifikationen nicht anerkannt werden. Er erkrankt psychisch. Die Situation eskaliert als er seine Frau ermordet – mehr oder weniger vor den Augen des Sohnes. Damit beginnt für Aryo Gharabatti die eigentliche Entwurzelung. Schwer traumatisiert wird er zunächst zu Verwandten nach England, später in die USA geschickt. „Es war schön dort in den USA, aber mir hat immer Deutschland gefehlt. Ich fühle mich mit Deutschland verbunden“. Mit 17 Jahren kehrt Aryo Gharabatti nach Mannheim zurück. Es folgen Jahre, „in denen ich vogelfrei war, in denen ich gemacht habe, was ich wollte, in denen ich gekifft und so meine Probleme erstickt habe“. Irgendwann kommt der Moment, wo er sein Leben ändern möchte und Mannheim den Rücken kehrt. In Pforzheim findet Aryo Gharabatti Arbeit im Enchilada, erhält eine Chance sowie Unterstützung und Anerkennung von den Kollegen. „Das war die Wende“. Als Drittbester seines Jahrgangs schließt er die Ausbildung zum Systemgastronomen ab.

Mohamad Najjar erreicht im Herbst 2015 Pforzheim. Eine zwölftägige Reise per Schiff, Boot, Bus und Bahn vom Libanon über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn liegt hinter ihm. Aus seiner Heimatstadt Aleppo ist er „wegen des Krieges geflohen und für eine bessere Zukunft“. Über München und Heidelberg kommt Mohamad Najjar nach Pforzheim. Er lernt sehr schnell Deutsch, arbeitet zunächst ehrenamtlich in der Kleiderkammer und knüpft so Kontakte zu seinem heutigen Arbeitgeber. Inzwischen ist Mohamad Najjar als Asylbewerber anerkannt. Sein großes Ziel ist es, hier studieren zu können: „Ich möchte hier etwas für mein Land lernen und dann in mein Land zurückkehren, zu meiner Mutter, zu meiner Familie.“ Ruhe, Erholung und inneren Frieden findet Mohamad Najjar im Gebet, in der Moschee, die er regelmäßig besucht. „In der Moschee beten wir nicht nur. Wir treffen uns, essen miteinander und haben sehr viel Spaß. Wir sind ganz unterschiedliche Nationalitäten. Der Glaube vereint uns. Im Islam gibt es keine Unterschiede zwischen den Nationen.“ Dass Pforzheim für sie ein guter Ort ist zum Leben, darin sind sich beide Hauptdarsteller einig. Mohamad Najjar mag die vielen Grünanlagen, in denen er viel joggt, und die Flüsse. Und Aryo Gharabatti sagt: „Wie die drei Flüsse könnten sich auch die Menschen verbinden. Das wäre etwas Schönes für die Zukunft“. Wie jede Woche klingt auch die sechste Abend von „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht’s“ mit einer kulinarischen Begegnung im Schlosspark aus.

Am kommenden Sonntag, 27. August, heißt es um 18 Uhr Vorhang auf für das siebte Filmporträt von „Pforzheim 2017 – die Mischung macht‘s“. Dann steht die Geschichte von Christian Schmidt und David Gholampour Tamali im Mittelpunkt des Geschehens. In Szene gesetzt worden ist das Filmporträt von Lukas Hoelzli.

Ina Rau

DE 2017 | Regie: Timo Dannenhauer | Mit: Aryo Gharabatti, Mohamad Najjar | 60 Minuten