Das Schloß (nach Franz Kafka)

Wenn man etwas Unfassbarem wie den Texten Kafkas eine neue Form geben kann, dann findet sie Haneke mit seiner Verfilmung.

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Dieses Unfassbare hat aber im Falle von Kafkas „Schloss“-Fragment interessante autobiographische Hintergründe. Kafka gestaltet die Einöleitung von K.s „Ankunft“ wie eine Drehbuch-Szene mit den berühmten Worten: „Es war spät abends als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schlossberg war nichts zu sehn, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloss an. Lange stand K. an der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte und blickte in die scheinbare Leere empor.“ Das Episodenhafte des Romans hat durchaus Züge formaler Filmelemente und man weiß, dass Kafka ein regelmäßiger Kino-Gänger war. Ähnlich wie andere Texte Kafkas ist das „Schloß“ in abgeschlossene Kapiteleinheiten aufgeteilt, die wiederum in relativ eigenständige Szenen zerfallen. Man spürt aber auch die Verwandtschaft zu den Expositionen der englischen gothic novel aus der Schauerromantik mit ihrem bekanntesten Vertreter Bram Stoker und seinem Dracula-Roman (1897). Eine weitere Parallele zu Film und Sujet ist zudem die Tatsache, dass Kafkas Vorbild zu „seinem“ Schloss die Burg Oravský brad war, die er 1922 anlässlich eines Sanatoriums Aufenthaltes in Matliary besuchte und die dann im August der von Murnau für seine Nosferatu-Verfilmung ausgewählte Drehort war. Sie haben sich dort nur um zwei Wochen verfehlt. So schreibt Kafka im Januar 1922 in seiner eigenen ersten „Schloßgeschichte“: „Es war spät abends als ich ankam.“ Unter diesem Aspekt hat Kafkas Text, der nicht nur als Fragment die Struktur von Filmstationen aufweist, enge Beziehungen zu der Welt Transsylvaniens, die in der Folge immer wieder zum Schauplatz der Vampir-Filme werden wird.

DE/AT 1997 | Regie: Michael Haneke | Mit: lrich Mühe, Susanne Lothar, Frank Giering u.a. | ab 12 Jahren | 123 Minuten