Eldorado

Das einzige Gold, das die hier porträtierten Flüchtlinge in Europa zu sehen bekommen, ist das der Wärmefolie.

So 23.09.
Movie Artwork

Die Flüchtlingskrise greift der Schweizer Markus Imhoof mit seiner Doku „Eldorado“ auf. Imhoof, der zuletzt mit „More than Honey“ einen Überraschungserfolg landete und mit „Das Boot ist voll“ schon einmal das Thema behandelte, geht es mit persönlichen und historischen Bezug an, was es auch dem Zuschauer näher bringt und seinen Film von anderen Dokus abhebt. Er erzählt von seiner italienischen Pflegeschwester Giovanna, die seine Familie im Zweiten Weltkrieg bei sich aufnahm. Ihre Mutter wollte ihr ein sichereres und besseres Leben in der vom Krieg unberührten, weil neutralen Schweiz ermöglichen. Die Schweiz nahm damals nur eine bestimmte Anzahl an Kindern auf und sie mussten auch wieder zurück. Imhoof zeigt Parallelen wie diese zwischen heute und damals auf bis hin zu absurden Details, dass damals wie heute den Flüchtlingen Nummern auf die Kleidung geheftet werden. Er filmt auf einem italienischen Schiff der Mare Nostrum Mission, zeigt die Rettungsaktion, die wie eine militärische Operation abläuft. Er zeigt völlig erschöpfte Menschen, wie 1500 Flüchtlinge auf engstem Raum Reihe in Reihe sitzen, wie die Crew eine Messe feiert.

Imhoof baut auch die nächsten Stationen ein, dreht in einem Lager in Italien, in dem die von den Zuständigen „Gäste“ genannten Menschen hinter Gittern leben, und heimlich, mit auf den Boden gerichteter Kamera, in einer Siedlung, in dem illegale Arbeiter in der Landwirtschaft unter schlimmsten Bedingungen hausen. Er lässt Flüchtlinge, einen freiwilligen Rückkehrer und Offizielle auch in der Schweiz zu Wort kommen, zeigt absurde, menschenverachtende Bürokratie und Gesetzgebung und prangert den Zusammenhang von billigen Lebensmitteln dank Sklavenarbeit und Subventionen an. Das einzige Gold, das die Flüchtlinge in Europa zu sehen bekommen, ist das der Wärmefolie, die in einer bitteren Anspielung zum Titel gezeigt wird. Imhoof kommentiert die Situation nicht larmoyant, er stellt nur fest, wie es ist, aber das ist erschütternd genug und ein Aufruf an alle etwas zu ändern.

CH/DE 2018 | Regie: Markus Imhoof | ab 6 Jahren | 95 Minuten
Vorstellungen
So, 23.09.
19:00