Pforzheim – Die Mischung macht’s #4

Im vierten Doppelporträt werden der Iraker Eyas Elias und der Deutsche Steffen Vallon vorgestellt.

Sa 21.10.
Movie Artwork

Eyas Elias
22 Tage ist Eyas Elias unterwegs, bevor er Deutschland erreicht. Zu Fuß flieht der 27-Jährige aus dem Irak. Über die Türkei, Bulgarien, Ungarn und Österreich kommt er nach Pforzheim, wo seine Schwester und seine Mutter wohnen. Seit zwei Jahren lebt Eyas Elias jetzt in Pforzheim, seit einem halben Jahr ist er als Asylbewerber anerkannt. Derzeit baut er sich eine Existenz auf. Hilfreich dabei ist seine Sprachkompetenz. Im Irak hat Eyas Elias als Dozent für arabische Sprache gearbeitet.
Steffen Vallon
Steffen Vallon kann man als echten Pforzheimer bezeichnen, auch wenn er in Schmie geboren ist. Seine Verbindung nach Pforzheim reicht bis 1984 zurück, als er eine Ausbildung zum Goldschmied absolviert. Obwohl es in den achtziger Jahren total angesagt gewesen sei, habe er Pforzheim damals nicht gemocht. Sein weiterer Weg hat den 50-Jährigen nach Stuttgart geführt. Dort hat er Mediengestalter gelernt. In diesem Beruf ist Steffen Vallon heute tätig, in Pforzheim, wo er seit 13 Jahren lebt.

 

10.000 Dollar für die Flucht aus dem Irak

Vierter Filmabend von „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht’s“ mit Eyas Elias, Steffen Vallon und Filmemacher Oskar Tesla

„Schon im Irak habe ich viele Freunde gehabt und auch hier habe ich Freunde“, sagt Eyas Elias. Es sind die Freundschaften, die dazu beitragen, dass sich Eyas Elias in Pforzheim ganz wohl fühlt. Eyas Elias ist Jeside und gehört damit zu einer verfolgten Minderheit im Irak: „Wir wussten nicht, ob morgen al-Qaida oder IS kommt und dann sind wir tot“. 2014 flieht er aus seiner Heimat. 22 Tage ist er zu Fuß unterwegs. Dafür zahlt er den Schleusern 10.000 Dollar. Er durchquert die Türkei, Bulgarien, Ungarn und Österreich, bevor er nach Pforzheim kommt. Hier leben seine Mutter und eine seiner Schwestern. Trotz dieser familiären Bindung ist der Start in Deutschland schwer. Erst als er Kontakte zu Pforzheimern knüpfen kann und daraus Freundschaften entstehen, kommt er langsam in der zweiten Heimat an.

Einer seiner inzwischen besten Freunde ist Steffen Vallon, ein echtes Kind aus der Region. Über das, was sie verbindet, darüber haben die beiden Männer beim vierten Abend von „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht’s“ im Kommunalen Kino berichtet. Produziert worden ist der Film von Oskar Tesla. Er hat die beiden Männer im Dialog miteinander in Szene gesetzt. So werden ihrer beider Geschichten im Gespräch auf der Leinwand sichtbar.

Dabei war es eher ein Zufall, dass sich Steffen Vallon und Eyas Elias beim Unterholzmusikfestival auf der Hoheneck kennengelernt haben. Danach haben sie ihre Telefonnummern ausgetauscht und Steffen Vallon hat den Iraker in der Flüchtlingsunterkunft besucht: „Ich wollte sehen wie er lebt. Es hat mich interessiert. Und es war eine tolle Erfahrung für mich, wie herzlich ich dort aufgenommen worden bin“, so Steffen Vallon. Dass der 50-Jährigen, der in Schmie geboren ist und seit 13 Jahren in Pforzheim lebt und arbeitet, fast zur Familie Elias gehört, zeigt der Film ebenfalls. Man sieht die Männer beim Kochen mit Mutter Elias und beim Grillen im Park mit der ganzen Familie. Auch für den Filmemacher Oskar Tesla war der Dreh anders als seine bisherigen Filme: „Ich hatte immer einen Abstand. Flüchtling war ein Thema aus dem Fernsehen. Ich wollte eigene Erfahrungen sammeln. Deshalb habe ich bei dem Projekt mitgemacht.“ Der gelernte Grafikdesigner und Student für Industrial-Design ist als Spätaussiedler mit 14 Jahren nach Deutschland gekommen. Wie schwer es ist in einem fremden Land mit einer fremden Sprache Fuß zu fassen, kennt er aus eigener Erfahrung. Darüber spricht er in der sich an den Film anschließenden Gesprächsrunde der drei Akteure mit Projektleiterin Mirzeta Haug.

Doch Eyas Elias und Steffen Vallon wären nicht die, die sie sind, wenn sie die kulinarische Begegnung, für die die beiden Männer Köstlichkeiten aus ihren Heimatländern zubereitet haben (mit Unterstützung ihrer Mütter), nicht mit Musik untermalen würden. Und so klangen am vierten Pforzheim 2017 Abend arabische Klänge durch den Schlosspark. Der Abend fand seinen Höhepunkt in einem arabischen Tanz rund um die gedeckten Tische, an dem sich zahlreiche Besucher beteiligten.

Am kommenden Sonntag, 13. August, geht es im Kommunalen Kino weiter mit „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht’s“. Um 18 Uhr heißt es dann, Vorhang auf für das Filmporträt von Sehre Kurt und Inga Läuter.

Ina Rau

DE 2017 | Regie: Oskar Tesla | Mit: Eyas Elias, Steffen Vallon | 60 Minuten