Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod (DF & span. OmU)
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Der baskische Regisseur Álex de la Iglesia lässt in seiner furiosen Groteske eine Zirkustruppe als Sinnbild einer spanischen Gesellschaft stehen, die sich in zunehmendem Irrsinn buchstäblich selbst zerfleischt.
Ein Junge erlebt, wie sein Vater, Zirkusclown und Widerstandskämpfer gegen den Faschismus, im Bürgerkrieg von Franco-Anhängern getötet wird und tritt als trauriger Clown in seine Fußstapfen. Zwischen totalem Wahnsinn, lasziver Liebe und brutalster Gewalt laviert die Handlung, die in einem tödlichen und visuell fantastischen Countdown endet. Was als politisches Drama beginnt, mündet in einem verrückten Amoklauf. Für Alex de la Iglesia sind alle Spanier traurige Clowns, weil sie unter der Last der faschistischen Vergangenheit leiden, die sie verschweigen, der sie sich nicht stellen, die sie verfolgt. Ein Albtraum, den er als bombastische Bilder- und Gewaltorgie auf die Leinwand zaubert mit der Absicht, Wut und Schmerz durch grotesk-überdrehten Witz zu vernichten, gleichzeitig aufzuwühlen und zum Lachen und Weinen zu bringen. Die Fratze des Todes ist hässlich und schön. Bei manchen Exzessen möchte man aus dem Kino rennen, aber die lärmende Ballade entwickelt als Highway to Hell einen teuflischen Sog, nicht zuletzt wegen teilweise durchkomponierten und bestens choreografierten Bildern. Mad Circus wurde in Spanien für 15 Goyas nominiert und in Venedig 2010 mit dem „Silbernen Löwen“ (beste Regie, bestes Drehbuch) ausgezeichnet, das kultige Genre-Magazin VIRUS kürte ihn zum Film des Monats.
BALADA TRISTE DE TROMPETA | ES/FR 2010 | Regie: Álex de la Iglesia | Mit: Carlos Areces, Antonio de la Torre, Carolina Bang, Sancho Gracia, Juan Luis Galiardo u.a. | ab 18 Jahren | DF & span. OmU | 108 Minuten